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Qiagen stimmt Übernahme durch EQT zu

EQT übernimmt Qiagen für 10,8 Mrd. Euro: Aus dem Übernahmegerücht wird eine konkrete Vereinbarung: Der schwedische Finanzinvestor EQT will den Diagnostikspezialisten Qiagen für 46,50 Euro je Aktie übernehmen. Die Unternehmensführung unterstützt den Verkauf einstimmig. Der Abschluss ist für Mitte 2027 geplant, wenn mehr als 50% der Aktionäre zustimmen.

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Der monatelange Übernahmepoker um Qiagen hat ein rasches Ergebnis gefunden, nachdem gestern die Gerüchteküche hochkochte, dass es zu einem Wettbieten zwischen EQT und KKR kommen könnte. Nun gibt es bereits die Entscheidung: Der deutsch-niederländische Diagnostikspezialist und EQT Private Equity haben sich auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in bar geeinigt. Der Angebotspreis beträgt 46,50 Euro je Aktie. Daraus ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 10,8 Mrd. Euro beziehungsweise 12,1 Mrd. US-Dollar einschließlich der Nettoverschuldung. Der Preis liegt 40,3 Prozent über dem unbeeinflussten Xetra-Schlusskurs vom 8. Juli 2026, bevor erstmals öffentlich über ein Übernahmeinteresse von Finanzinvestoren berichtet wurde.

Wie am Vortag berichtet, hatte EQT im Bieterprozess ein konkretes Angebot vorgelegt; auch KKR galt als Interessent. Nun haben sich Qiagen und EQT geeinigt. Ob KKR tatsächlich ein konkurrierendes Gebot eingereicht hatte und welche Rolle der US-Investor zuletzt spielte, ist für die jetzt vereinbarte Transaktion nicht mehr entscheidend. Die Gremien von Qiagen haben nach eigenen Angaben sowohl strategische Interessenten als auch Finanzinvestoren geprüft und sich einstimmig für die Vereinbarung mit EQT ausgesprochen.

Mehr Spielraum unter privater Eigentümerschaft

Qiagen begründet den Schritt mit den Möglichkeiten, die sich als nicht börsennotiertes Unternehmen eröffnen sollen. Die private Eigentümerschaft soll langfristige Investitionen erleichtern und dem Management mehr Flexibilität bei der Umsetzung seiner Strategie geben. Aufsichtsrat und Vorstand sehen darin die beste Option für die nächste Wachstumsphase – auch im Vergleich zu einer Fortführung als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen.

Die Unternehmensführug kommentierte diese wegweisende Entscheidung. So sagte Jonathan M. Pratt, Chief Executive Officer von Qiagen: „In meiner bisherigen Zeit bei Qiagen konnte ich mich selbst von der Qualität unserer Mitarbeitenden, unserer Technologien und unserer Kundenbeziehungen überzeugen. Gleichzeitig sehe ich klare Chancen, auf diesen Stärken aufzubauen und unseren Kunden noch mehr zu bieten. Als privates Unternehmen können wir schneller handeln und haben mehr Spielraum, unsere Ressourcen dort einzusetzen, wo sie unsere langfristige Strategie am besten ergänzen. Das kann uns helfen, das Unternehmen im Einklang mit unseren Prioritäten auszubauen und unseren Mitarbeitenden mehr Möglichkeiten zu bieten, Innovationen voranzutreiben, sich beruflich weiterzuentwickeln und die Zukunft von Qiagen mitzugestalten.“

Qiagen-CFO Roland Sackers kommentierte: „Diese Vereinbarung bietet unseren Aktionären eine attraktive Prämie. Gleichzeitig gewinnt Qiagen mit EQT einen starken Partner, der unsere strategischen Prioritäten und unsere Vision für die Zukunft teilt. Mit der Unterstützung und den Ressourcen von EQT haben wir mehr Möglichkeiten, neue Chancen wahrzunehmen und unsere Kompetenzen weiterzuentwickeln. Dabei bauen wir auf den hervorragenden Grundlagen auf, die unsere Teams geschaffen haben.“

Dabei investiert EQT nicht allein. Zum Konsortium gehören Luxinva, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), sowie CPP Investment Board Europe, eine Tochtergesellschaft des kanadischen Pensionsfondsmanagers CPP Investments. Damit stehen neben dem Finanzinvestor langfristig orientierte institutionelle Kapitalgeber hinter der Transaktion.

EQT verweist auf seine Erfahrung im Gesundheits- und Life-Sciences-Sektor. Das Portfolio umfasst beziehungsweise umfasste unter anderem SPT Labtech, Galderma, Parexel, Aldevron, Dako und HemoCue. Für Qiagen verspricht der EQT weitere Investitionen in Produktinnovationen und Wachstum.

Marke, Forschung und Standorte sollen bleiben

Im Rahmen der Vereinbarung hat EQT Zusagen zur langfristigen Entwicklung von Qiagen gemacht. Sie betreffen unter anderem Strategie, Geschäft, Marken, operative Präsenz, Forschung und Entwicklung sowie die Beschäftigten und die Finanzierungsstruktur. Das Unternehmen soll auch nach dem Abschluss unter dem Namen Qiagen weitergeführt werden.

Das ist für einen Konzern mit globaler Präsenz und enger Verbindung zum deutschen Life-Sciences-Ökosystem von Bedeutung. Qiagen ist in der Probenvorbereitung, Molekulardiagnostik und Life-Sciences-Forschung tätig. Seine Technologien werden sowohl in klinischen Laboren als auch in der pharmazeutischen Forschung eingesetzt. Ein Eigentümerwechsel dieser Größenordnung wirft daher auch die Frage auf, wie sich Investitionsprioritäten, Produktentwicklung und Standortentscheidungen langfristig verändern könnten. Die jetzt veröffentlichten Zusagen sprechen zunächst für Kontinuität; konkrete zusätzliche Investitionsprogramme oder Standortveränderungen wurden nicht angekündigt.

Vollzug erst 2027

Die Vereinbarung ist noch keine abgeschlossene Übernahme. Das Angebot steht unter mehreren Bedingungen. Dazu zählen eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent des ausstehenden Grundkapitals plus einer Aktie, erforderliche Beschlüsse einer außerordentlichen Hauptversammlung sowie kartellrechtliche und investitionsprüfungsrechtliche Freigaben. Der Vollzug wird für Mitte 2027 erwartet.

Für die Aktionäre bietet das Angebot einen deutlichen Aufschlag auf den vor Bekanntwerden der Übernahmeinteressen geltenden Kurs. Für Qiagen beginnt mit der Vereinbarung zugleich der Übergang in eine neue Eigentümerstruktur. Ob die versprochene größere strategische Flexibilität tatsächlich zu schnellerer Innovation und zusätzlichem Wachstum führt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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